Aufklärung by proxy

Das Diensttelefon meines Kollegen klingelt, die Nummer darauf gehört zu unserem Wartezimmer.

‚Hallo, hier ist Müller. Ich bin hier wegen der Sprechstunde, aber ich hab noch eine Frage: Muss meine Mama dafür dabei sein?‘

Dienstarzt: ‚Ähm… Eigentlich nicht.‘

Wir behandeln aber keine Kinder. Da ist was im Busch. Er ahnt schon, was kommt.

‚Wer wird denn operiert, Sie oder Ihre Mutter?‘

‚Na, meine Mutter, aber die ist schon nach Hause. Können Sie das Gespräch nicht einfach mit mir führen und ich sag ihr dann, was wir besprochen haben?‘

Die Mama war 46 Jahre alt, urteils- und aufklärefähig.

Nein, das können wir nicht.

Mal ganz abgesehen von den rechtlichen Aspekten, unter welchen wir das Gespräch ja führen (Stichwort informed consent), müssen wir den Patienten auch sehen, um uns ein Bild von ihm machen zu können. Nur so können wir die passende Narkoseform aussuchen und die individuellen Risiken einschätzen.

Aber wir hätten da einen Vorschlag: Wir klären die Tochter auf, und führen dann den Eingriff gleich auch bei ihr durch. Wäre bestimmt auch einfacher für die Mutter, die kann dann schön gemütlich zuhause bleiben.

Wär doch was, oder?

Werbeanzeigen

2 Kommentare zu „Aufklärung by proxy“

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s