8 lahme Tipps für junge Assistenzärzte

Für den Studienbeginn gibt es zahlreiche Ratgeber, online oder als Broschüren, mit hilfreichen Tipps, um die ersten Wochen und Monate zu überstehen. Kaufe dieses oder jenes Buch, heisst es da, fang früh genug mit Lernen an, verschwende deine Zeit nicht mit schlechten Vorlesungen, hüte dich vor dem Mensa-Essen, geh nicht zuviel feiern.

Auch für den Beginn als Assistenzarzt gibt es solche Tipps. Lerne früh, Briefe richtig zu schreiben. Sei motiviert. Sei nicht zu selbstkritisch. Gewöhn dich an den Gedanken, bis um 11 in der Klinik zu sein, und am nächsten Morgen wieder um 7 zu beginnen. Bereite dich vor, lies Dinge nach.

Hier sind meine. Die werden nicht die Welt verändern, aber können deinen Alltag leichter machen.

  1. Kenne dein Spital – wisse, wo die kaum genutzten Toiletten sind. Insbesondere möchtest du gern eine, welche nicht von Patienten benutzt wird (eklig) und wenn möglich nur eine Toilette drin hat, damit dich niemand stören kann, wenn du gerade einen Nervenzusammenbruch hast. Diese Toilette, dieses Goldstück existiert. Du musst es nur finden. Toiletten sind der beste Rückzugsort – finde deine so früh wie möglich und teile sie mit niemandem.
  2. Führe eine Snackbox. Du hast ganz bestimmt irgendwo eine Schublade oder ein Schliessfach. Fülle es mit Essen. Protein- und Knusperriegel, Fertiglunches, denen du nur noch heisses Wasser oder Milch beigeben musst, Schokolade, Getreidecrackers. Mit leerem Magen ist alles noch viel schlimmer. Bedenke: Es muss in Reichweite sein, am besten in deinem Büro. Geht das nicht, steck morgens etwas in deine Manteltasche, dafür ist die da.
  3. Du kommst zuerst. Es ist zwei Uhr Nachmittags, du hast seit 7 Uhr nichts mehr gegessen, aber es warten immernoch Patienten auf dich? Geh essen. Hungrig und unterzuckert arbeitest du schlechter und langsamer, und in manchen Fällen – wie bei mir zum Beispiel – fieser. Je länger ich ohne Essen bin, desto garstiger werde ich. Hilft das wem? Nein. Geh essen und hab keine Angst davor, Patienten deswegen eine Viertel- oder halbe Stunde warten zu lassen.
  4. Stell dich gut mit der Pflege. Ob Notfall, Station oder OP, sei nett und respektvoll. Gib offen zu, wenn du etwas nicht weisst und es nachschauen musst, und lobe laut und deutlich, wenn dich jemand auf etwas aufmerksam macht, das du übersehen hast. Nichts lohnt sich mehr als sowas. Und vergiss nie: Die meisten von denen arbeiten seit Jahren da und werden auch noch Jahre da arbeiten. Du kommst für ein Jahr, oder zwei, und gehst dann wieder. Du bist Gast in ihrem Haus. Protipp: Besonders einfach findet man den Einstieg, in dem man um Hilfe bittet. Frag ohne Hemmungen. Wie funktioniert dies oder das? Wo finde ich jenes, und kannst du’s mir gleich zeigen, damit ich es das nächste Mal weiss? Wie macht ihr das normalerweise/wie hat mein Vorgänger das gehandhabt? Fragen ist nicht ein Zeichen von Schwäche – gewöhn dir das Halbgott-in-Weiss-weiss-alles- Machogehabe gleich ab.
  5. Delegiere. Gerade frische Assistenzärzte haben häufig Mühe damit – aber hey, manche Dinge sind einfach nicht dein Job. Du musst dich nicht um alles kümmern. Wenn du nicht sicher bist, frag Kollegen, ob das wirklich deine Aufgabe ist. Natürlich: Es ist sinnvoll und zeugt von Anstand und Respekt, auch mal was zu tun, das man nicht müsste. Aber wenn du grade absolut keine Zeit für Blödkram hast, kommunizier das, und sei dann wieder zuvorkommend, wenn du dein Zeug abgearbeitet hast.
  6. Wirf Ansprüche über Bord. Die Verläufe lesen sich schöner, wenn sie in ganzen Sätzen formuliert sind? Mir doch egal. „geht gut, keine Schmerzen, Mobilisation gut, Stuhlgang gehabt“ reicht völlig aus. Geh strikt nach SOBP vor, halte dich extrem kurz mit Stichworten, fertig. Ausnahme: schwierige Patientengespräche, juristisch Heikles, Konsilien und dergleichen.
  7. Halte dich ebenso kurz in deinen Briefen: Kurze Sätze, nur Infos, keine Schnörkel. Vergiss nicht: Wer auch immer deinen Brief bekommt, liest sowieso nur die Diagnoseliste und das Procedere.
  8. Leg Vorlagen an für alles, was du öfters schreibst. Verläufe von Hüft-Prothesen sind immer etwa gleich, also wozu jedesmal neu schreiben? Leg es irgendwo ab – manche KIS-Programme bieten Bausteine an, die du einfach mit drag&drop in dein Formular rein ziehst. Oder du speicherst die Vorlagen in deinen internen Mails. Vergiss einfach nicht, Geschlecht und Alter anzupassen 😉
  9. Gewöhn dich an den Gedanken, Fehler zu machen. Besonders am Anfang wird das häufiger vorkommen, und es wird auch gelegentlich mal ein übler dabei sein. Allen Anderen geht’s genau gleich, also akzeptier besser einfach den Umstand. Fehler passieren. Atme durch, lern daraus, machs das nächste Mal besser. Und rede dich nicht raus, niemanden interessiert, warum das passiert ist. Ein einfaches „sorry“ oder „oh, ja, danke, werde ich gleich korrigieren“ reicht.
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4 Kommentare zu „8 lahme Tipps für junge Assistenzärzte“

  1. Ich finde die Tipps nicht lahm, sondern gut!
    Sie sind bestimmt sehr hilfreich für die Anfänger.
    Auch wenn ich aus nem anderen Winke auf die Patienten schaue 😉 …

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  2. Besonders der letzte Tipp ist wichtig – mich nervt z.Z. unsere Praktikantin mit genau diesem Verhalten. Mich interessiert es nicht, wieso sie was falsch gemacht hat – wenn dann frage ich nach – sie soll es sich merken und das Nächste Mal besser machen.

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    1. Ich glaube, das ist so eine Art Reflex. Man will sich erklären, weil man hofft, dass der andere dann mehr Verständnis hat. Aber das ist wirklich völlig Wurscht.
      Ich hab mir das auch bei Dingen abgewöhnt, die nicht meine Schuld sind. Oder Dinge, von denen ich nicht finde, dass ich sie falsch gemacht habe. Einfach ja sagen und Lehren draus ziehen, oder eben nicht. Fertig. Es ist völlig egal, was die Anderen denken. Diskussionen kosten nur Zeit und Nerven.

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