Gepfeffert

Herr Roux ist angemeldet für eine Leistenbruchoperation am nächsten Tag. Da muss ich vorbeigehen, denn für die will er wahrscheinlich eine Narkose haben.

Bei der Durchsicht der Akten stosse ich zuerst auf ein Gewicht von 121kg. Okay, das ist schon nicht grade wenig bei einer Grösse von 175cm.

Die Diagnoseliste passt dazu. Zuckerkrankheit, Knieprobleme, nächtliche Atempausen, Bluthochdruck, saures Aufstossen. Aber bei den Operationen stosse ich auf eine Überraschung: Der Patient hat vor 4 Jahren einen Magenbypass erhalten.

Moooment. Also der wiegt 121kg trotz Magenbypass?

Ich durchforste die vorhandenen Berichte weiter und stosse auf den eines Adipositas-Experten, datiert auf vor zwei Monaten, adressiert an den Chirurgen, der damals den Bypass gemacht hat.

Er beschreibt den aktuellen Gesundheitszustand, die Operabilität des Patienten gemäss seiner Einschätzung, fügt noch ein paar Blutuntersuchungen und ein EKG an.

Das beste am Brief ist aber der letzte Satz:

‚An diesem Patienten zeigt sich mal wieder, dass sich schlechte Essgewohnheiten nicht einfach wegoperieren lassen.‘

Das ist dann so etwa die Klatsche ins Gesicht des Chirurgen.

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4 Kommentare zu „Gepfeffert“

  1. Das mag sein bzw. den Eindruck machen. Ist aber dennoch wahr. Eine ausführliche Ernährungsberatung sollte es zur OP dazugeben, der Patient wird nicht der einzige sein.

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  2. Ich kenne auch so jemanden… Von (geschätzt) 130 Kilo auf 90 Kilo. Nach 2 Jahren war er dicker als zuvor, ich schätze locker 150 Kilo. Schuld haben für ihn aber natürlich die Ärzte, nicht seine Ernährung, Aktivität oder der Alkoholkonsum.

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  3. Das Problem ist ja, dass eine Ernähungsberatung allein oft nichts hilft. Diese Menschen müsste jemand täglich begleiten und im Alltag mit der Umstellung helfen. Das beginnt mit dem Einkauf (was für Möglichkeiten hat er überhaupt) geht übers kochen bis zum Esstempo.

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  4. Es wird ja nicht umsonsonst auch von „Fresssucht“ gesprochen. Mir sind Fallberichte bekannt von Patienten, die nach einem Magenbypass angefangen haben eine bekannte Nuss-Nougat-Creme (die zuletzt die Rezeptur geändert hat) zu erwärmen (und damit zu verflüssigen) und zu trinken… Vor dem Magenbypass taten die das nicht. Da scheint der Zucker- und/oder Fettinput für den Kalorienkick richtig süchtig zu machen. An dem Thema wird wohl noch ein Weilchen geforscht werden müssen. Und ja – das Suchtverhalten bei der Nahrungsaufnahme kann man nicht wegoperieren. (Und einfach nur schlechte Ernährungsgewohnheiten auch nicht.) Schön wär’s, dann hätten wir die Lösung für’s Übergewicht wahrscheinlich schon gefunden.

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