Der Traum vom Miteinander

Assistenzärzte stehen manchmal ganz schön zwischen Stuhl und Bank.

Wir sind der Spielball unserer Vorgesetzten, die ihre Konflikte gern mal über uns austragen. Zum Beispiel der Leitende Arzt Chirurgie, der kürzlich einer meiner Kolleginnen von der Chirurgie verboten hat, mich wegen eines Notfalls anzurufen. „Das Standardvorgehen ist, dass wir es der OP-Managerin sagen, die informiert dann den Kaderarzt Anästhesie und der wiederum den Assistenzarzt. Wenn wir anfangen, zusätzlich noch den Assistenten direkt anzurufen, machen wir ja bald deren ganze Arbeit“, waren seine Befürchtungen.

Dass es 20 Minuten schneller geht, wenn man mir einfach direkt Bescheid gibt anstatt über sieben Ecken, scheint ihm egal zu sein.

Die Kollegin hat sich danach bei mir entschuldigt und geschworen, sie hätte mich trotzdem angerufen, aber der Leitende sei einfach die ganze Zeit nicht von ihrer Seite gewichen. Da kann ich echt nur mit den Augen rollen. Das ist in etwa so, als würden meine Eltern mir verbieten, mit dem Nachbarskind im Sandkasten zu spielen, weil sie dessen Eltern nicht mögen. Ein Kindergarten ist das. Wem tut es denn weh, wenn sich die Kollegin zehn Sekunden Zeit nimmt, mich zu informieren?

Mein Chef wiederum hat mir verboten, das Labor zu verordnen, welches ich während einer Operation für den Chirurgen abnehmen musste. Während ich die Blutentnahme durchführte, rief er den Stationsarzt an und gab ihm die Anweisung, das Labor anzumelden. „Wenn die Chirurgen einen Wert haben wollen, sollen sie auch selber dafür schauen, dass er gemacht wird,  sonst machen wir ja bald deren ganze Arbeit“, fand er.

Ich hab mich danach natürlich auch entschuldigt. Es hätte mich etwa eine Minute gekostet, das Labor anzumelden, und das auch nur, weil ich das so selten tun muss und mich immer erst mal ein bisschen durchklicken muss, bis ich alles zusammen habe.

Unter uns Assistenzärzten verstehen wir uns eigentlich gut. Viele von uns kennen sich noch von der Uni, und die anderen lernt man auf Station oder beim gemeinsamen Mittagessen kennen. Das gibt mir auch den Glauben daran, dass meine Zukunft nicht so stark vom klassischen „Chirurg gegen Anästhesist“ – Krieg geprägt sein wird. Ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass wir eines Tages in Friede und Harmonie miteinander leben können, in einer Arbeitsbeziehung geprägt von gegenseitigem Respekt, Verständnis und Akzeptanz.

Nennt mich ruhig eine Träumerin. Ein bisschen Optimismus hat noch Keinem geschadet.

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