Das Erfolgserlebnis

Kennst du das: Du schaffst irgendwas, und das stellt dich dann total auf und motiviert dich und du freust dich riesig darüber?

Während meinem „geliebten“ Aussendienst, noch dazu mit dem neuen Uhu im Schlepptau, weil im OP nichts läuft, bekomme ich einen Anruf von meiner Kaderärztin. „Hi, ich hab ein Venflon für dich.“ Yay, denke ich, schwierige Venenzugänge mach ich noch gern, und dann kann ich das dem Uhu auch gleich demonstrieren.

Nope.

‚Also‘, fährt die Kaderärztin fort, ‚der Patient heisst Zuck, er liegt auf der Station U3 Zimmer 312 und hat einen Status epilepticus und die kriegen keinen Zugang hin. Kannst du da gleich hin?‘

Oookay. Also da ist ein Patient, der einen epileptischen Anfall hat, der nicht aufhören will, und man kann ihm keine Medikamente dagegen geben. Schlecht. Ich hab selbst noch nie einen Epianfall gesehen, bin also mal gespannt. Gleichzeitig traue ich mir das kaum zu. ist das deren Ernst, eine eigentlich lebensgefährliche Situation und ich kleiner Wicht soll da hin?

Mit dem Uhu im Schlepptau betrete ich das Zimmer. Der Patient liegt im Bett und zuckt. Nur leicht. Eigentlich ist es mehr ein Schütteln. Eine Menge Ärzte und Pflegekräfte stehen rundherum. Die leitende Ärztin Medizin gibt mir einen kurzen Abriss über den Patienten. Er krampft seit fast 30 Minuten.

Bühne frei für mich. Alle Augen auf mich gerichtet wie Scheinwerfer. Aber kein Druck, gell?

Ist es wirklich so heiss oder bin ich das? Zittern meine Hände oder zittert der Patient?

Die erste Vene am Unterarm platzt sofort nach dem anpieksen. Shit. Zweiter Versuch, anderer Arm. Hier finde ich ein hübsches Gefäss über dem Handgelenk. Einziges Problem: Die Hand ist total verkrampft und noch dazu schüttelt sie ununterbrochen. Ein Pfleger hält den Arm mit beiden Händen fest und das Schütteln wird weniger.

Ich steche zu. Kein Blut kommt. Daneben. Macht nix. Nochmal tasten, ich bin eigentlich direkt über der Vene. Ich ändere leicht die Stichrichtung und stosse die Nadel vor. Ich spüre den Durchbruch durch die Venenwand. Blut kommt.

Geschafft.

‚Ein Milligramm Dormicum intravenös‘, befiehlt die Medizinerin.

Die Pflegekraft spritzt. Wir warten angespannt.

Etwa eine Minute später hört das Schütteln auf.

‚Ich denke, wir brauchen die Anästhesie nicht mehr‘, verkündet die Medizinerin. Wir atmen auf und verlassen den Raum. Ich bin klatschnass. Und stolz wie Oskar, noch tagelang.

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4 Kommentare zu „Das Erfolgserlebnis“

  1. Gut gemacht!
    Aber… seit dreissig Minuten einen Status? Mir als Epileptikerin schüttelt sich alles. Eine orale Medigabe (auf der Arbeit nehmen wir Tavor) war nicht möglich?
    In deiner haut möchte ich oft nicht stecken 🙂

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    1. Ich kenne jemanden der über mehrere Stunden nicht aus dem Status zu holen war. Da hatte auch das Notfallmedikament zu Hause nichts gebracht.

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    2. Nun… Ja, ein so langer Epianfall ist nicht wirklich gesund. Die Mediziner haben wohl einiges versucht, der i.v.-Zugang war wohl eine der letzten Möglichkeiten, so wie ich das verstanden habe. Der Patient hat das Bewusstsein nie wieder erlangt und ist am Tag darauf verstorben.

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      1. Oh. Das tut mir leid.
        Ich wusste nicht, dass es sich so verschärfen kann und nichts mehr anschlägt. Schlimme Situation.

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