Nüchtern oder nicht nüchtern

… das ist hier die Frage.

Oberarzt Chirurgie: „Hey, kannst du noch ’nen Patienten anschauen? Koje 5. Hat einen gebrochenen Finger von gestern, den wollen wir gleich noch machen. Wurde uns gestern Abend noch von einer Praxis überwiesen, hab gesagt, er soll heute Morgen nüchtern kommen, sollte also kein Problem sein.“

Nüchternheit – den leeren Magen – erfragen wir trotzdem immer. Egal, was der Kollege sagt. Sicher ist sicher.

Ich: „Wann haben Sie denn das letzte Mal was gegessen?“

Patient: „Also meine letzte richtige Mahlzeit war gestern Abend.“

Ich: „Heute nichts mehr gegessen?“

Patient: „Nein, nur ein Joghurt zum Frühstück. Ich bin also faktisch nüchtern.“ (doch, das hat der echt genau so gesagt)

Ich: „Nein, sind Sie nicht. Sie haben ein Joghurt gegessen.“

Patient *total erstaunt*: „Wie, das zählt auch?“

*seufz*

(jawohl, im Schweizerdeutschen ist es ‚das Joghurt‘.)

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7 Kommentare zu „Nüchtern oder nicht nüchtern“

  1. Und wie erschüttert der Anästhesist mal bei mir war, was ich alles gegessen hatte (Bratkartoffeln, gebratener Speck…). Als ob ich mir ne Not-OP ausgesucht hätte… …aber was nüchtern bedeutet, sollte doch eigentlich klar sein…

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    1. Meiner Erfahrung nach verstehen die meisten Leute unter nüchtern ‚keinen Alkohol trinken‘. Und das ist echt gemein, jemandem einen Vorwurf machen, weil er vor einer Not-OP gegessen hat 😀

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      1. Die Klaren sieht die Leber doch nicht! Oder? Also..! 😉

        Aber mal als blöde Frage – Würde bei einer Not-OP nicht ein Intubations-Larynxtubus eine Möglichkeit sein, die Respiration von Mageninhalt in den Griff zu bekommen? Bzw. wäre es nicht denkbar, einen Trachealtubus mit einer aufblasbaren Manschette zu konstruieren, die – nach der korrekten Einführung in die Luftröhre aufgeblasen – die Luftröhre gegen Fremdkörper- & flüssigkeitseindringen abdichtet? Eventuell, so das mit einem Würge – und Erstickungsgefühl einher geht, könnte man das Aufpusten ja auch nach der Anästhesieeinleitung vornehmen…

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      2. Ein Trachealtubus hat immer eine aufblasbare Manschette, sie wird Cuff genannt. Deshalb gilt der liegende Tubus auch als Schutz vor Aspiration. Die heiklen Phasen sind Einschlafen und Aufwachen (intubieren und extubieren), die Narkose selbst ist ziemlich sicher. Und natürlich gibt es ein paar Vorkehrungen, die man treffen kann, um das Aspirationsrisiko zu verringern, sonst wären Notoperationen kaum möglich. Allerdings haben die auch wiederum ihre Nachteile und sind keine Garantie. Wichtig ist, dass man weiss, wenn ein Patient nicht nüchtern ist, denn dann kann man entweder die Vorkehrungen treffen oder – für maximale Sicherheit – die OP verschieben.

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  2. Herzlichen Dank für die Antwort. Aus meiner Zeit als Sanitöter kenne ich zwar nen Güdeltubus (vom angucken). Unser Ausbilder drehte sich den immer zu Demonstrationszwecken mit Vorliebe selber in den Hals – wir haben auf auf Lernen durch Nachahmen jedoch freiwillig verzichtet in diesem Fall… Einen Trachealtubus habe ich bisher (zum Glück?) nie in der Hand haben müssen…

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