Der Notfall, das Irrenhaus

Samstag Morgen. Meine Oberärztin Sandra und ich stehen im Schockraum, zusammen mit Charlotte, Assistenzärztin der Chirurgie, und Martina, die Notfallpflege. Wir warten auf eine Patientin, die gleich mit dem Rettungsdienst gebracht wird nach einem Autounfall.

Aus dem Notfallzimmer gegenüber schlurft eine leicht verwahrlost aussehende, übergewichtige Frau und schaut suchend umher.

„Zurück ins Zimmer!“, schreien Pflege und Charlotte gleichzeitig. „Wir bekommen hier gleich einen Notfall!“

Ich schaue ein bisschen verwundert. Das find ich jetzt ein bisschen übertrieben, gleich so zu schreien. Die Verwirrung löst sich aber gleich auf.

„Die macht mich noch wahnsinnig“, seufzt Charlotte.

„Und mich erst!“, ruft Martina aus. „Dauernd latscht die überall rum, geht in alle Zimmer und wühlt in fremden Sachen…“

Sie unterbricht sich selbst, als die Patientin plötzlich im Türrahmen des Schockraums steht. „Will n Tem.es.ta*“, lallt sie schlapp.

„Sie hatten schon sechs Stück, es gibt keine Tem.es.ta mehr. Gehen Sie zurück in Ihr Zimmer! Sofort! Sonst rufe ich die Polizei, die schauen dann schon, dass Sie im Zimmer bleiben!“ Charlotte ist offensichtlich kurz vor dem Durchdrehen. Die Patientin murmelt weiter was von Tem.es.ta und verdrückt sich.

Der ganz normale Wahnsinn auf dem städtischen Notfall.

*Tem.es.ta ist ein starkes Beruhigungsmittel, das abhängig macht. 6 Stück sind ganz schön viel.

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3 Kommentare zu „Der Notfall, das Irrenhaus“

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