Alltag im Spital: Dienste

Wiedermal ein etwas genereller Post zu Abläufen und Einteilungen – wie immer bei dieser Kategorie hoffe ich, dass ihr euch damit etwas besser vorstellen könnt, wie mein Alltag aussieht.

Bei uns gibts zwei Arten von Dienst.

Der normale Dienst bedeutet, wir beginnen um 7 Uhr. Wir sind in einen Saal eingeteilt, in dem wir die Narkosen machen. Wenn dann nichts Neues mehr dazukommt und das Tagesgeschäft vorbei ist, gehen wir aus dem OP wieder raus und gehen auf die Stationen, um Patienten für Narkosen aufzuklären, welche geplant für den nächsten Tag eingetreten sind. Und wir besuchen natürlich die Patienten, bei denen wir Narkosen gemacht haben, um zu sehen, wie sie es überstanden haben. Irgendwann ist Abendrapport – optimalerweise, wenn der Chirurgierapport vorbei ist, weil die den OP-Plan jeweils gerne noch kmplett umkrempeln – und besprechen die Patienten, Narkosen und Einteilungen für den nächsten Tag. Häufig kommt auch noch die Frage: „Hat heute jemand etwas Besonderes erlebt? Oder einen interessanten Fehler gemacht?“ Dann kann man sich von der Seele reden, wenn was total schief gelaufen ist, oder ein bisschen angeben, wenn man etwas richtig gut gemacht hat. Ganz besonders interessante Fälle werden ausführlich diskutiert. Und einmal die Woche hält jemand einen kurzen Vortrag über irgendwas Anästhesierelevantes, das dann wiederum diskutiert und weitergedacht wird, wobei von der leitenden Ärztin gelegentlich der Hinweis „das wird an der Facharztprüfung gerne gefragt“ kommt. Irgendwann darf man nach Hause. So.

Dann gibts den „Aussendienst“, wie ich ihn liebevoll und hasserfüllt nenne. Man darf eine Woche lang erst um 8 Uhr zur Arbeit erscheinen, muss dafür aber am Samstag Morgen für 4 Stunden antraben. Von Narkosen darf man nur träumen; die Aufgaben umfassen Sprechstunde, Schmerzdienst und einfach alles, was so ansteht.

Man kommt also morgens um 8, meldet sich beim Kaderarzt und geht dann auf Schmerzrunde. Das heisst, man besucht alle Patienten im Spital, welche eine Schmerzpumpe (zum Beispiel mit Morphin drin) oder einen Schmerzkatheter (ein kleiner feiner Schlauch, der konstant oder auf Knopfdruck Schmerzmittel um Nerven herumspült) haben. Man schaut, wie die Schmerzen so sind, ob und wann man die Therapie mal aussetzen oder beenden möchte, ob der Patient sie gut verträgt und so weiter. Allein dafür rennt man in der ganzen Klinik rum, weil die sich gerne gleichmässig auf allen Stationen verteilen.

Sprechstunden gibts fixe, im Kalender eingetragene. Die kann man sehr gut an Kaderärzte abgeben, die das wohl nett abrechnen können. Dann muss man aber auch Patienten auf dem Notfall aufklären, welche dringend operiert werden müssen, oder solche, die Sprechstundentermine bei irgendwelchen Chirurgen im Haus haben und dort eine Operation verkauft bekommen, für welche es wiederum eine Narkose braucht. Und schliesslich gibts noch Patienten, welche regelmässig zum Beispiel zweimal die Woche drankommen für einen Verbandswechsel unter Narkose, oder welche „im Verlauf“ operiert werden (wenn zum Beispiel das gebrochene Körperteil endlich zufriedenstellend abgeschwollen ist), die man im Hinterkopf behalten muss.  Kurzum: Man erzählt dutzenden Patienten pro Tag das gleiche, füllt dutzende Male dieselben Formulare aus und rennt dafür auch noch durchs ganze Haus. Seufz.

Natürlich gibts auch kleine Zückerchen. Winzigkleine. Man darf für die Demenzklinik Lumbalpunktionen machen – Patienten in den Rücken stechen und kostbares Hirnwasser für Untersuchungen entnehmen. Das mach ich zum Beispiel wahnsinnig gern, kommt aber nur so einmal die Woche vor. Patienten, welche sich den Schenkelhals gebrochen haben, kriegen von uns eine Schmerzspritze in die Nähe der Hüfte mit einer dieser riesigen, dicken Nadeln. Naja. Alles mit Nadeln macht mir Spass. Solange sie nicht in meine Richtung zeigen.

Da wir vier Assistenzärzte sind, verteilen sich die Dienste in der Regel so, dass man einmal pro Monat eine solche Aussendienstwoche absolvieren muss. Am Samstag Mittag ist man dann einfach nur noch froh, wenn man wieder in den OP darf und was „Richtiges“ machen kann.

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2 Kommentare zu „Alltag im Spital: Dienste“

  1. Hallo Frau Gramsel,
    noch immer lese ich gern mit, über den Klinikalltag und das ganze drumherum!
    Es gefällt mir schon gut wenn Fachwissen mit der nötigen Portion Humor und Engagement vereint hier so liebenswert beschrieben wird.

    Danke dafür!

    R. L.

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