Buchempfehlung: House of God

Was klingt wie irgendwas Religiöses, ist tatsächlich eines der berühmtesten fiktiv-medizinischen Werke des 20. Jahrhunderts. Seit seiner Erscheinung wird das Buch, geschrieben von Samuel Shem, Medizinstudenten auf der ganzen Welt (oder so) zur Lektüre empfohlen. Die Serie „Scrubs“, eine meiner absoluten Lieblingsserien, bezieht sich immer wieder auf das Buch, und manche von Shem geprägten Begriffe schafften es bis ins ärztliche Standardvokabular.

Samuel Shem ist das Pseudonym eines US-Amerikanischen Psychiaters namens Stephen Bergman. 1978 veröffentlicht er ein bitterböses Satirewerk über das amerikanische Gesundheitssystem, welches gelinde gesagt wie eine Bombe einschlägt und von dem man sagt, dass es die Gesundheitsreform der 80erjahre (in den USA) mitgeprägt hat.

Das Buch handelt vom jungen Arzt Roy Bosch, der frisch ab Staatsexamen seine Arbeit auf der Inneren beginnt. Klug ist er, und gut ausgebildet, aber naiv und praxisunerprobt. Soweit kann sich so mancher frische Arzt mit ihm identifizieren. Entsprechend gilt das Buch als Pflichtlektüre für junge Ärzte: Es bringt einen zum Nachdenken, zum Überdenken von Strukturen – und auch ein bisschen zur Dankbarkeit, dass das System heute nicht mehr dasselbe ist.

Roy und seine jungen Kollegen sind täglich dem Stress des Systems ausgeliefert, schlafen und mogeln sich verzweifelt, überarbeitet und desillusioniert durch das Spital, kämpfen mit Depressionen und Burn-outs bis hin zum Suizid. Wenn man bedenkt, dass gemäss Studien bis zu 50% der Assistenz- und Oberärzte unter Burnout und Depression leiden und Ärzte generell überdurchschnittlich hohe Suizidraten aufweisen, ist dies durchaus noch eine aktuelle Thematik.

Roy’s Mentor ist ein Senior Resident, bei uns wäre das wohl ein Assistenzarzt im vierten oder fünften Jahr, der „Fat Man“ oder zu Deutsch „der Dicke“ genannt wird. Er bringt Roy die (von ihm selbst erstellten) Regeln des House of God bei, um dem jungen Arzt zu helfen, das Jahr zu überleben – etwas, das nicht allen gelingt. Viele dieser Regeln haben nach wie vor Gültigkeit und sind gute Leitlinien für die Praxis, sofern man sie mit einem gewissen Augenzwinkern betrachtet. Ich werde in Zukunft gelegentlich auf diese Regeln eingehen und darüber schreiben, wie ich sie in meinen Arbeitsalltag einbinde, sie verstehe und interpretiere. Deswegen auch diese Einleitung über das Buch, damit ich mich in Zukunft drauf beziehen kann.

Das Buch kann übrigens auch für medizinische Laien ein Vergnügen sein, sofern sie sich bewusst sind, dass es nicht komplett ernst zu nehmen ist, und nicht sowieso schon Angst vor Ärzten oder dem Spital haben 😉

2 Kommentare zu „Buchempfehlung: House of God“

  1. Auf jeden Fall eine quasi Pflichtlektüre, nicht nur für Ärzte (und die die es werden wollen), sondern mindestens auch für die Jobs im medizinischen Umfeld.
    Da fällt mir ein: Ich wollte schon länger sein 2. Buch lesen – kann das ebenfalls jemand empfehlen?

    Liken

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