Prioritäten

Ein achtjähriges Mädchen hat sich am Knöchel verletzt. Glücklicherweise ist es nicht so schlimm – aber: „4 Wochen kein Sport. Mindestens.“, gebe ich der Mutter Bescheid.

Die Mutter schaut mich entsetzt an. „Ja aber… Ins Ballett kann sie schon noch! Oder?“

„Naja, wenn sie fürs Ballett die Beine nicht braucht“, versuche ich zu scherzen. „Nein kann sie nicht.“

„Aber sie muss! Sie hat eine grosse Aufführung!“

„Wann ist denn die Aufführung?“

„Im Juni!“

„Na dann bleibt doch noch genug Zeit zum trainieren, oder was meinst du?“ Ich versuche, die Kleine etwas einzubinden. Find ich furchtbar, wenn das Patientchen so ganz verloren und ungefragt dasitzt. Sie zuckt mit den Schultern. Ballett scheint grade nicht ihre oberste Priorität zu sein.

„Ja aber“, fährt nun wieder die Mutter dazwischen, „sie verpasst sowieso schon total viele Trainings, weil ihr Vater soviele Meetings hat und sie nicht immer fahren kann.“

Ja das ist dann natürlich ein guter Grund.

Nicht.

Werbeanzeigen

2 Kommentare zu „Prioritäten“

  1. Immer wieder erstaunlich wie sich Eltern sowas vorstellen. Da bekomme ich Mitleid mit den Kindern, weil ich mich immer frage ob ein Elternteil dann wärend der Genesung schon Druck macht das die Verletzung ja eh schon wieder fast gut ist und wenns ja eh nur noch ein bisschen weh tut…

    Gefällt mir

  2. Irgendwie verwirklicht die Mutter da wohl ihren Traum über das Kind.
    Würde mich jetzt interessieren, ob der Vater die Meetings extra so legt.

    Mir wärs ja total wichtig, das der Knöchel wieder heil wird…..aber was red ich….

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s