Eine Kristallkugel, bitte

Samstag Morgen im Wochenenddienst. Zur Erinnerung: In diesem Dorf gibts zwei Hausärzte, welche sich zur Hauptsaison am Wochenende im Dienst ablösen. Ein Wochenende haben wir, das nächste der andere, dann wieder wir etc. Während der Nebensaison hingegen ist es nur etwa ein Wochenende alle zwei bis drei Monate, da teilen sich alle Hausärzte der Region den Dienst untereinander auf.

Kommt ein Mann zur Tür herein. Unangemeldet. „Mein Name ist Pedis, ich bin Patient vom [anderer Hausarzt] aber der hat heute zu!“ Schweinerei, gell? Am Samstag einfach so zuhaben. Skandal. „Ich hab immer so Rheumaschmerzen in den Füssen, dafür bekomme ich von ihm immer Schmerzmittel. Jetzt hab ich keine mehr. Können Sie mir welche geben?“

MPA: „Was nehmen Sie denn gegen die Schmerzen?“ Wenns was Einfaches ist, können wir das einfach abgeben und fertig.

Patient: „Keine Ahnung. Tabletten.“

War wohl nix mit einfach. Ich nehm ihn zu mir ins Sprechzimmer, und frag nochmal nach, zähle alle Schmerzmittel auf, die mir in den Sinn kommen. Ohne Ergebnis.

Patient: „Ich würde die Schachtel wiedererkennen, wenn ich sie sehe. Bei [anderer Hausarzt] liegen die überall rum.“ *schaut suchend umher, aber findet nichts, weil bei uns liegen keine Medikamente ‚überall rum‘, und beim Kollegen ziemlich sicher auch nicht*

Schliesslich geb ich ihm einfach eine Schachtel Ibuprofen mit und sag ihm, er soll doch am Montag zu [anderer Hausarzt] gehen und dort abholen, was er sonst immer hat.

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3 Kommentare zu „Eine Kristallkugel, bitte“

  1. Na, wirksame Tabletten halt. Musste als Arzt doch wissen!
    Mit der Aussage hätt es bei mir Smarties gegeben.
    Haben gegen Schmerz auch gewirkt. Also beim Kind.
    Scheint so, als ob es doch gut war, das ich keinen medizinischen Beruf ergriffen habe.

    Ich finde es immer wieder erstaunlich, das bei chronisch kranken Leuten Medikamente ausgehen können, die die täglich nehmen. Oder nehmen müssen. Mann ich merk doch, wenns in der Schachtel dünne wird, und hab dann ja noch Zeit, das Zeug verschreiben zu lassen….so wenig Organisation kann ich einfach nicht nachvollziehen.

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    1. Ich kann das schon verstehen, auch wenn es mir selber (nicht die organisierteste) tatsächlich noch nie passiert ist. Dafür empfinde ich meine Medis aber auch als zu wichtig und habe praktisch in jeder Tasche einen Blister, falls ich mal was vergessen sollte. Aber das ist nicht immer so übersichtlich, wie man es sich vorstellt. Ich bekomme die Großpackungen, also 3 Packs auf einmal. Die liegen nicht gesondert auf einem Regal, sondern ganz normal in einer Schublade mit Nahrungsergänzungsmitteln und anderen nicht verschreibungspflichtigen Medis. Da hat man nicht immer auf dem Schirm, dass das jetzt die letzte Packung ist und nicht noch eine da drin liegt. Oder dass das Backup letztes Mal nicht wieder aufgefüllt wurde. Und wenn man jetzt mehrere Tabletten nehmen muss kann ich mir schon vorstellen, dass die Übersicht da schwierig wird. Man hat ja auch noch anderes zu tun im Leben 🙂

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  2. Habt Ihr in der Schweiz die „Gelbe Liste“ in gedruckter & gebundener Form rum(f)liegen? Einfach dem Patienten in die Hand drücken und sagen: Schaun sie mal durch, wenn Sie die richtige Tablette gefunden haben, zeigen Sie sie mir bitte… Und sich dann daran erfreuen, wie von Seite zu Seite das Gesicht des Patienten länger wird…

    Man, bin ich heute wieder fies drauf! 😉

    https://de.wikipedia.org/wiki/Gelbe_Liste

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