Traktorunfall (Teil 2)

Im ganzen Geschehen drin erhalte ich einen Anruf vom Empfang. „Der Vater des Jungen auf dem Notfall ist dran und möchte wissen, wie es seinem Sohn geht.“

Klar. Klingt gut.

„Gramsel, Dienstärztin Chirurgie im Krautundrübenspital?“

„Hallo, mein Name ist Hirsch. Mein Sohn ist bei ihnen auf den Notfall, und ich wollte fragen, wie es ihm geht.“

Ich gebe eine kurze Zusammenfassung der Ergebnisse, die ich bis jetzt habe, und betone, dass Lias zwar noch etwas im Schock ist, aber es ihm sonst soweit gut geht. Ich erkläre auch, dass er in die Uniklinik muss zur Operation. Am Schluss habe ich aber noch eine Frage: „Können Sie mir sagen, was genau passiert ist?“

„Ja… Wir waren auf der Alp, auf dem Traktor, an einem Abhang, und der Traktor ist plötzlich nach hinten gerutscht und umgekippt. Wir sind beide abgesprungen, aber er hat sich irgendwie verheddert, und… Keine Ahnung. Er wurde wohl ein Stück mitgeschleift oder so. Sein Onkel hat ihn dann kurz zu euch gefahren.“

„Sie waren auch auf dem Traktor?“

„Ja.“

„Und wie gehts Ihnen?“

„Geht schon. Paar Kratzer. Wir müssen jetzt erstmal den Traktor bergen, und dann komme ich vielleicht noch vorbei.“

„Ich werde Ihren Sohn in etwa einer halben Stunde in die Uniklinik verlegen. Wir machen noch ein paar letzte Abklärungen vorher, um ganz sicher zu sein, dass sonst nichts ist.“

Er ist einverstanden, und verspricht mir, seine Frau zu schicken, um den Sohn zu begleiten. Dann gehe ich wieder zum Patienten und informiere ihn über das Gespräch. „Deinem Vater gehts gut. Deine Mutter kommt mit in die Uniklinik, sie ist auf dem Weg.“

Lias nickt. Die Praktikantin hat sein Gesicht etwas vom geronnenen Blut gesäubert. Er sieht immernoch jung aus, und verängstigt, aber er atmet nicht mehr so schnell. Mir ist klar, wieviel Glück er gehabt hat. Ihm wirds vielleicht irgendwann auch dämmern, wenn er aus seiner Schockstarre kommt.

Ich erhalte am nächsten Tag die postoperativen Röntgenbilder. Er hat kleine Plättchen an den Kiefer angeschraubt bekommen und seine Zähne wurden verdrahtet. Die Operation verlief gut, Lias wird einen Tag darauf nach Hause dürfen.

 

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2 Kommentare zu „Traktorunfall (Teil 2)“

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