Unnötige Diskussionen

Das Diensttelefon klingelt, ca 20:30Uhr.

Ich: „Krautundrübenspital, Dienstärztin Gramsel?“

Anrufer: „Hallo, ich bin im Hotel Alpenblick und bei uns ist grade ein Gast ohnmächtig geworden. Können Sie jemanden vorbeischicken?“

Ich: „Leider nicht, ich bin hier im Spital. Bitte rufen Sie die 144 an.“

(144 ist in der Schweiz die Nummer für die Ambulanz)

Anrufer: „Können Sie das nicht für mich machen?“

Ich: „Leider nicht. Die wollen einen Haufen Informationen von Ihnen, und es ist besser, Sie geben die Infos direkt durch. Bitte rufen Sie die 144 an.“

Anrufer *sauer*: „Ich versteh nicht, warum Sie das nicht für mich machen können! Ich hab ja gesagt, wo ich bin!“

Ich: „Ja, aber das reicht nicht. Ausserdem kann Sie die 144 bei der ersten Hilfe bis zur Ankunft der Ambulanz unterstützen. Bitte rufen Sie jetzt die 144 an.“

Anrufer: „Also Sie wollen mir einfach nicht helfen! Das ist eine Frechheit! Sie müssen das machen, Sie sind ein Spital!“

Ich: „Genau, und ich kann mich leider nur um das kümmern, was im Spital ist. Der Rettungsdienst und das Spital sind zwei verschiedene, unabhängige Organisationen. Wenn Sie also eine Ambulanz brauchen, müssen sie die über deren Nummer anfordern.“

Anrufer: „Ich will aber, dass Sie das für mich machen!“

Ich: „Das kann ich aber nicht.“

Anrufer: „Na dann, danke für NICHTS!“ *click*

 

Was mich daran am meisten verwundert hat: 144 ist eine Nummer mit drei Ziffern. Meine Telefonnummer hat 10 Ziffern, die hat er vermutlich raussuchen müssen – anstatt einfach eine kurze, leicht zu merkende Nummer zu wählen. Und dann hat er mich ja nicht direkt erreicht, sondern hat den Empfang angerufen und die haben ihn mit mir verbunden. Das ist umständlich und nicht notfalltauglich. Ausserdem würde man ja denken, in einem Hotel passiert noch gelegentlich was, und es sollten Algorithmen und vor allem Notfallnummern vorhanden sein?

Die Patientin kam übrigens nicht. Der Rettungsdienst ist zwar ausgerückt, aber die Dame weigerte sich mitzugehen. Ihr wurde beim Aufstehen kurz schwarz vor den Augen und sie musste sich auf den Boden setzten, aber nach kurzer Zeit hat sie sich schon wieder viel besser gefühlt, und sie sah (verständlicherweise) keinen Grund, gleich ins Spital zu gehen.

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Ein Gedanke zu „Unnötige Diskussionen“

  1. Das sind dieselben Leute, die wollen, dass wir dem Arzt anrufen wegen dem Rezept – nicht nur wegen Verlängerungen, sondern auch wenn neues aufgeschrieben werden soll. Das mache ich aus dem gleichen Grund auch nicht (gern) und sage dasselbe: „Machen Sie das, der Arzt muss ihnen sicher noch ein paar Fragen stellen und da bringt es nichts, wenn ich das mache.“
    „Aber sie sind die Apotheke und brauchen das Rezept.“
    „Ja, und sie sind der Patient und das Rezept ist für sie – also …“

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