Trösten kann ich auch

Abends, ca 22Uhr, Telefon. Eine junge Frau schluchzt mir ins Ohr.

Sie: „Hallo, hier ist Julia Weber *schluchz* ich hab mir grad voll fest den Kopf angeschlagen und es tut weh und ich weiss nicht was ich machen soll…“ Sie beginnt zu weinen.

Ich: „Was ist denn passiert?“

Sie: „Ich hab in der Küche was am Boden geputzt und bin aufgestanden und *schluchz* ich hab eine Schublade offengelassen und hab mit den Kopf angeschlagen und dann ist mir kurz schwarz vor Augen geworden und ich musste mich kurz hinsetzen und jetzt tuts mega weh…“

Ich: „Blutets denn?“

Sie „Nein.“

Ich stelle noch ein paar weitere Fragen, nach Erkrankungen, Medikamenten, wie’s ihr geht. Im Verlauf des Gesprächs bekomme ich den Eindruck, dass ich da eine recht junge Frau an der Leitung habe, die ganz allein lebt und Kopfweh hat und komplett überfordert ist mit der Situation. Hinweise für eine Hirnerschütterung habe ich keine, immerhin. Ich leite sie an, eine Schmerztablette zu nehmen, sich ein bisschen hinzulegen und was Kühles auf den Brummschädel zu legen. Und ich sage ihr, worauf sie achten soll in der nächsten halben Stunde, und dass sie mich sofort wieder anrufen kann und, wenn sie sich unsicher oder unwohl fühlt. Es wird ein langes Gespräch, und am Ende werden die Schluchzer weniger, ihre Stimme sicherer.

Ich höre dann nichts mehr für den Rest der Nacht, es scheint ihr wohl besser gegangen zu sein. Schön, wenn ich so einfach helfen kann – und das ganz ohne aus dem Pikettbett aufzustehen…

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