Incompliance 2 (von denen habe ich dutzende)

Herr Burn stellt sich mit einem „Speiseröhrenkrampf“ auf dem Notfall vor. Der übergewichtige Rentner war gerade mit deiner Frau Mittagessen – Schnitzel und Pommes – als er plötzlich diesen Schmerz verspürte hinter dem Brustbein. Zwei Stunden vorher war er noch bei seinem Hausarzt, da war noch alles gut.

Herr Burn nimmt seit ca 15 Jahren ein Medikament zur Verminderung der Magensäure. Zuvor hatte er immer wieder Magengeschwüre, seither geht es besser. Die Schmerzen damals waren ganz ähnlich wie die hier. Doch, doch, er nehme alle seine Medikamente regelmässig.

Klinisch fällt mir nichts auf, ausser, dass es über dem Magen wehtut, wenn ich draufdrücke. Einen Herzinfarkt schliesse ich mittels Labor und EKG fürs erste aus. Die Gallenblase zeigt im Ultraschall keine Steine,  auch keine in den Gallengängen. Stuhlgang sei unauffällig. Leber, Nieren sind in Ordnung. Ich gehe wieder zum Ehepaar Burn, um ihnen mitzuteilen, dass bisher alles negativ war.

Herr Burn wirft seiner Frau einen Blick zu. Sie seufzt und sagt: „Also… Die Magentabletten nimmt er nicht mehr.“

Ah. Das ist es. „Wie lange schon?“

„Seit 4 Monaten. Wissen Sie, damals war so eine Sendung im Fernsehen, da haben die gesagt, diese Magentabletten machen Osteoporose. Und Osteoporose hat mein Mann ja schon! Da habe ich gesagt, Edi, diese Tabletten nimmst du ab sofort nicht mehr.“

„Und ihrem Hausarzt haben sie nie Bescheid gesagt?“

„Nein, weil, der sagt ja der Edi braucht die Tabletten wegen der Magengeschwüre.“

Nun ist es so: Ja, die Säureblocker haben einen Zusammenhang mit Osteoporose. Und normalerweise würde man sich dann gut überlegen, die Tabletten zu geben. Aber der Patient hatte schon Magengeschwüre (sogenannte Ulzera, wenn die Säure die Schleimhaut angreift und auffrisst), und deswegen braucht er dieses Medikament. Eine dumme Situation – einerseits will man den Magen schützen, denn chronische Schädigungen der Schleimhaut können schonmal zu Krebs führen. Andererseits will man den Knochen nicht noch schlechter machen. Wenn man hier abwägt, sind aber schwache Knochen das kleinere Übel. Das hätte dem Ehepaar vor vier Monaten jemand erklären sollen, am besten der Hausarzt, aber der wusste ja von nichts. Jetzt übernehme ich diese undankbare Aufgabe.

Ich melde den Patienten für eine Magenspiegelung an. Von der beokmme ich später den Bericht: Viele kleinere und grössere Schleimhautschäden, manche bluten sogar ein bisschen.

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