Die Wunderheilerin

Herr Toni stellt sich bei uns auf dem Notfall vor. Er hat sich vor vier Tagen eine Verbrennung am Vorderarm zugezogen, war deswegen auch hier in Behandlung. Nichts Schlimmes, eine schöne Rötung plus Brandblase. Er hat dafür eine Salbe bekommen und sollte die Wunde nach ein paar Tagen seinem Hausarzt zeigen.

Heute ging er in die Apotheke, um sich neues Verbandsmaterial zu kaufen. Dort hat sich jemand die Wunde angeschaut, und einen Schreck gekriegt: Die Haut um die Wunde herum ist unschön verfärbt. Bei Verdacht auf einen Infekt wird Herr Toni angewiesen, dies sofort einem Arzt zu zeigen, weshalb er bei uns vorbeikommt.

Ich betrete die Notfallkoje und inspiziere den Vorderarm. Die Wunde sieht schön aus, trocken, kei Eiter. Gute Heilungstendenz, werde ich später in den Bericht schreiben. Rundherum jedoch besteht ein gräulicher Randsaum, scharf begrenzt, in gut 2cm Abstand von den Wundrändern in alle Richtungen.

Wie ein Bluterguss sieht das nicht aus. Auch nicht wie totes Gewebe… Kann es so einfach sein? Ich nehme einen Tupfer, tränke ihn in Ethanol und reibe damit vorsichtig über die grauen Stellen.

Jetzt ist der Tupfer grau, und die Haut wieder Hautfarben.

Ich ziehe die Augenbrauen hoch und schaue den Patienten an. „Ach ja! Ich habe gestern einen schwarzen Pullover angehabt!“

Seufz.

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6 Kommentare zu „Die Wunderheilerin“

    1. Kolloidales Silber hilft sicher auch bei Verbrennungen, wenn man lange genug danach googelt 😀 solche neuen Wundermittel trifft man hier aber selten, dafür schwören die Einheimischen auf Dinge wie Baden in frischer Milch (für chronische Wunden), Tees und Kräutersalben. Was Urgrossmutter halt so hergibt.

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      1. Ja, das hilft wahrscheinlich auch gegen’s helfen 🙂
        Frische Milch ist aber auch schön. Meine Oma musste sich mal in frisch gepflückte Brennesseln legen und einrollen. Welche Erkrankung sie da hatte habe ich leider vergessen, aber so schlimm wie die Behandlung war’s wahrscheinlich nicht. Holy Moly bin ich froh das die Zeiten heute (größtenteils) vorbei sind.

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  1. Oh, das hatten wir auch mal so ähnlich. Patientin kommt mit tw. bläulich verfärbten Händen. Schlaue Ärztin nimmt nach einigem Grübeln Ethanol zur Hilfe und alles ist wieder gut. Des Rätsels Lösung: am Tag zuvor hatte die Dame ihre Haare gefärbt. Nicht blau, aber Haarfarben machen manchmal ja komische Sachen.

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