Alltag im Spital: Uhus

Uhu, der/die, kurz für „Unterhund“, Synonyme Unterassistent, Student, Arzt in Ausbildung.

Im fünften Studienjahr beginnt für Schweizer Stundenten das praktische Jahr. Natürlich ist es von Uni zu Uni unterschiedlich, wann es genau beginnt, wie lange es geht, was darin enthalten sein soll. In Zürich, wo ich studiert habe, geht das praktische Jahr 10 Monate, welche man sich selbter zusammenstellt. Die Meisten machen Chirurgie  und Innere Medizin, jeweils etwa 2 Monate, und für den Rest nehmen sie etwas, wofür sie sich interessieren. Immerhin wissen viele Medizinstudenten im fünften Jar noch nicht, welche Richtung sie später einschlagen wollen.

In diesen Praktikas sollte es darum gehen, einen Einblick zu erhlalten, praktische Skills zu erlernen oder verfeinern, Fachrichtungen in allen Facetten kennenzulernen. Man sollte etwas lernen, sich aber gleichzeitig auch in den Arbeitsalltag einfügen. Eigene Patienten übernehmen, unter dem wachsamen Auge von Assistenzärzten natürlich, selber organisieren, Berichte schreiben lernen, sich in der Rolle als Arzt, als Professional, zurechtfinden.

An manchen Orten werden Uhus als billige Arbeitskräfte missbraucht. An anderen, vor allem in sehr spezialisierten Fächern, sind sie eher Zuschauer. Tatsache ist, viele Spitäler funktionieren ohne Uhus schlechter.

Bei uns im Krautundrübenspital sind Uhus elementar. Sie leisten Pikettdienste nachts und am Wochenende, wenn nur ein AA im Haus ist. Sie assistieren im Ops, und halten so den AAs den Rücken frei, damit diese genug Zeit für die Visite auf Station haben. Sie erledigen kleinere und mittlere Notfälle selber, besprechen sie mit dem Assistenzarzt oder direkt mit dem Kaderarzt, stellen Rezepte aus, erledigen Administration. Und Administration gibt es sowieso vielzuviel im Spital.

Ein guter Student erleichtert vieles und profitiert dafür auch viel. Jemand, der Interesse und Engagement zeigt, den lasse ich gerne auch mal etwas Spannendes machen, wie zum Beispiel eine Wunde nähen. Das verlangt aber von mir, dass ich neben meiner Arbeit auch noch auf seine Arbeit schaue. Und dass ich genug Zeit habe, Dinge zu erklären, zu teachen, abzufragen. Und gerade weil sie Pikettdienste leisten, geben wir unseren Studenten auch gern mal frei, damit sie die Gegend erkunden können,  Skifahren, einkaufen.

Für den Uhu wiederum steht und fällt die Stelle häufig mit dem Assistenzarzt. Gut ist vor allem jemand, der schon ein bisschen Erfahrung hat und nicht erst kürzlich angefangen hat, zu arbeiten, denn dann ist er häufig noch eher überfordert und hat keine Zeit, sich um Studenten zu kümmern. Er sollte sicher genug sein, um dem Studenten auch die Möglichkeit zu geben, sich selber an Patienten zu versuchen, und die Geduld, seine Fragen zu beantworten und ihn zu beaufsichtigen, soweit es nötig ist. Er sollte dem Studenten auch interessante Aufgaben übertragen, nicht nur Bürokram, Telefonate und Schellong-Tests ( wie es ein Mitstudent von mir etwas zynisch formuliert hat: Ein Test, der die Fähigkeit des Patienten überprüft, zu liegen, aufzustehen und sich dann wieder hinzulegen).

Ich hoffe, ich bin meinen Uhus ein guter Assistenzarzt. Und ich hoffe, ich bekomme dafür viele gute Uhus. Ohne die ist die Arbeit gleich viel, viel mühsamer.

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2 Kommentare zu „Alltag im Spital: Uhus“

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